Wie wird man eigentlich Storyteller?

storytelling konzeptions board storytelling sarah wie wird man storyteller

Jedes Mal, wenn ich gefragt werde, was ich denn so beruflich mache, muss ich mich für eine von zwei Antwortmöglichkeiten entscheiden: Entweder ich gehe mit der Halbwahrheit ( „Ich bin Texterin.“ ) und ernte ein anerkennendes Nicken, oder ich nenne die Berufsbezeichnung, die in meinem Vertrag, meiner E-Mail-Signatur und auf meinen Visitenkarten steht – Storyteller – und bin meinem Gegenüber eine Erklärung schuldig. Berechtigterweise, schließlich behauptet nicht jeder von sich, berufsbedingt Geschichtenerzähler zu sein.
„Geschichtenerzähler sind Personen, die in vielen Kulturen religiöse, kultische oder bildungserzieherische Aufgaben wahrnehmen“, erklärt uns Wikipedia. Und weiter: „Im anglo-amerikanischen und europäischen Sprachraum nutzt man den Begriff Geschichtenerzähler (bzw. storyteller) meist als Oberbegriff für Märchen- und Sagenerzähler, Stadt- und Museumsführer und Schriftsteller.“

storytelling sarah wie wird man storyteller

Storyteller bei Mynd

Gleich vorneweg:
Wir sitzen nicht mit übergroßen Büchern in Ledersesseln und pusten den Staub vom Pergament. Und den Top 5 auf den Bestsellerlisten dieser Welt machen wir auch (noch) keine Konkurrenz.

Eine Enttäuschung, ich weiß.

Dafür machen wir Storyteller bei Mynd ganz viele andere tolle Sachen. Mit unseren Kunden sprechen zum Beispiel. Und zuhören, das kann unsere Zunft auch ziemlich gut. Schließlich müssen wir verstehen, was unsere Kunden mit ihrem Video sagen wollen. Was ist das Ziel des Projekts, und auf welche Art und Weise lässt es sich am besten erreichen? Es ist unsere Aufgabe, dies herauszufinden und das entsprechende Video-Konzept, also die Geschichte zu erarbeiten.
Als Storyteller ist man introvertierte Seele und Meetingraum-Besetzer, Schlagwort-Jongleur und Gedanken-Dirigent – alles in Einem. Mit Worten und Bildern öffnen wir Augen und Herzen. Das ist unser Job.

Viele Wege führen nach Rom und so.

Unser Mynd Storytelling-Team erinnert an die perfekte Besetzung eines Heist-Movies: Der Analytiker, der Schlagfertige, die Besonnene, der Risikofreudige – und (neben noch vielen weiteren interessanten Charakteren): Ich. Eine lustig-verkopfte Bande von Filmwissenschaftlern, Grafikdesignern und sogar Ex-Bankern, die über die unterschiedlichsten CV-Wege im 5. Stock eines schicken Gebäudes auf der Hanauer Landstraße in Frankfurt am Main gelandet ist und sich nun einen Raum mit hübschen Zimmerpflanzen teilt.

„Also ich bin ja Storyteller seit ich sprechen kann“, behauptet einer meiner Kollegen als ich nachhake. Und schon geht es los:
„Und ich seitdem ich denken kann.“
„Ich habe schon Geschichten erzählt, bevor ich denken konnte.“
„Mein erstes Wort war Story. Mein zweites Teller.“

Endlich schaltet sich einer unserer verständigeren Kollegen in das amüsante Streitgespräch ein: „Immer wenn ich eine Geschichte erzähle die jemanden zum Lachen bringt, oder wenn ich es schaffe durch eine Story irgendein anderes Gefühl hervorzurufen, fühle ich das Dopamin in mir. Es ist wie ein Facebook-Like, nur eben LIVE und toller!“

Und auch in meinem E-Mail-Postfach finde ich dann doch noch ein paar ernstere Gedanken zum Thema.

„Schon als Kind habe ich nach Disneyfilmen überlegt, wie diese narrativ funktionieren. Und nach schlechten Referaten habe ich immer darüber nachgedacht, wie man das hätte besser aufbauen können. Ich glaube alles ist spannend, wenn man es nur gut erzählt!“

Und: „Unabhängig vom eigentlichen Schreiben braucht man meiner Meinung nach vor allem Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen. Wenn man dazu noch Talent hat und gut schreiben kann, fehlt eigentlich nur noch die Bewerbung bei Mynd…“

Happy End.

Tja, wie wird man denn nun Storyteller? Das ist meine Antwort:
Man war schon immer ein kleines bisschen interessierter und hat die Fähigkeit Dinge zu erkennen, die andere nie sehen werden. Man liest viel. Filmabende dienen nie einfach nur dazu endlich mal wieder abzuschalten, sondern immer auch um Feldforschung zum Thema Leben zu betreiben.
Man setzt sich hin und schreibt. Sein Smartphone liebt man besonders für seine Notizfunktion, schließlich kommen Ideen am liebsten ungefragt.

Man findet das, was man geschrieben hat, ganz gut.
Man findet das, was man geschrieben hat, unglaublich schlecht.
Man schreibt weiter. Warum? Naja, man kann einfach nicht anders.

Dann irgendwann sitzt man mit seinem Laptop auf dem Bett und googelt, weil einem Schreiben-im-Schlafanzug einfach nicht mehr reicht.

Business-casual läuft man dann zum Bewerbungsgespräch, findet sich kurz darauf in einem Büro voller begeisterungsfähiger Menschen wieder – und beginnt als angestellter Geschichtenerzähler genau das zu tun, was man im Grunde genommen schon die ganze Zeit getan hat: Man sitzt und schreibt.

Storyteller wird man nicht, Storyteller ist man.