James Curran: Gifathon

Gifs als Kunstform

Mann läuft vor riesigen Ratten davon Mann läuft vor riesigen Ratten davon

Ein bärtiger Mann mittleren Alters mit unförmig anmutenden Gliedmaßen und einem scheinbar unbändigen Heißhunger auf Süßes jagt im Guggenheim Museum für moderne Kunst einem gigantischen Donut hinterher. Wenn Ihnen dieses Szenario bekannt vorkommt, kennen Sie entweder den Künstler James Curran oder haben eine sehr lebhafte Phantasie. In beiden Fällen können Sie sich glücklich schätzen. GIFs kennt mittlerweile jeder. Sie sind in allen Formen und Farben überall im Internet vertreten. Sie bringen uns zum Lachen, zum Nachdenken oder lassen uns einfach fassungslos den Bildschirm anstarren. Dass „GIF“ die Kurzform für Graphic Interchange Format ist, wissen allerdings die wenigsten. Und die Diskussion, ob das „g“ nur hart oder weich (also „gif“ oder „dschif“) ausgesprochen wird, ist sowieso ein anderes Thema. Animation Director James Curran nutzte den Hype und hat die kleinen Videos zu seinem Beruf gemacht.

animierter Reiter auf dem Pferd

Gifathon

Neben Videoprojekten und einzelnen GIFs, nennt er seine neuste Kunstform nun„Gifathon“ und macht es zu seinem Alleinstellungsmerkmal. In Akkordzeit verarbeitet der Künstler dort seine Erlebnisse in GIFs und stellt dadurch nicht nur sein Leben, sondern typische Beispiele für Städte dar. Ob LA, Tokyo oder New York, egal wohin der Brite reist – er verewigt seine Reisen in Form von einem Gifathon. Mit einer Reise nach New York begann sein neuer Trend, indem er 30 Tage lang, jeden Tag, ein neues GIF schuf, das das Leben in der Großstadt, in Verbindung mit seinen Aktivitäten dort, darstellt. Trotz minimalistischem Design und Sound, oder gerade deshalb, schafft er es die Menschen zum Staunen zu bringen. Grund für seine Reise war sein schon immer bestehendes Bedürfnis in NYC zu leben, wie er in einem Interview mit Motionographer verriet. Obwohl er sich für den Notfall, an einem Tag nicht genügend Inspiration sammeln zu können, um ein neues GIF zu kreieren, ein paar Ideen zurechtgelegt hatte, musste er davon keinen Gebrauch machen. Jedes GIF entstand spontan und aus Eindrücken, die er tagsüber sammelte. Morgens Sightseeing, abends animieren. So oder so ähnlich sah sein Tagesablauf also aus. Da ihn aber jedes GIF ungefähr 6 Stunden kostet, hat er, genauso wie die Stadt, wohl nicht allzu viel Schlaf bekommen. So entstand nach und nach eine Art kreatives Tagebuch. In all seinen GIFs animierte sich der Künstler selbst, wie er zum Beispiel ein riesiges Brathähnchen aufpumpt (Szene 25 „Inflation“) oder von monströsen Eichhörnchen durch den Park gejagt wird, während er Ihnen eine Nuss klaut (Szene 17 „Park“).

Animierter Mann wird von riesigen Eichhörnchen gejagt
Animierter Mann pumpt Brathähnchen auf

Warum wir das erwähnenswert finden

Wem auch immer es gelingt Erlebnisse in Kunst zu verwandeln, die genau so verrückt wie genial ist und auch noch eine tiefere Bedeutung hat, gebührt Ehre. Unsere Verehrung drückt sich in Wort und Schrift, zusammengefasst in einen Artikel, aus. Obwohl wir schon ein bisschen neidisch sind, dass der Brite das Animieren gigantischer Donuts, und das auch noch in New York City, als seinen Job bezeichnen darf. Außerdem besitzt er, wie zu Anfang schon erwähnt, das Talent im minimalistischen Stil und in kürzester Zeit eine Geschichte zu erzählen, die den Zuschauer am Bildschirm kleben lässt. Für uns Videomacher natürlich hochinteressant.

Gifs aus aller Welt

Anscheinend hat ihm die Verbindung von Arbeit und Reisen gefallen. Deshalb schuf er noch zwei weitere Gifathons und wir dürfen annehmen, dass es nicht die letzten waren. So können wir uns nach Godzilla in Tokyo und einer Verschmelzung von seinem animierten Ich und Mickey Mouse in Los Angeles vielleicht auch bald auf 30 neue, geniale GIFs einer anderen Stadt freuen. Weiter so James Curran!

animierte Menschen gehen über einen Zebrastreifen
animierte Flaschen werden mit Farbe befüllt