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Fernet Branca-Kampagne: In your face oder Facepalm?

Autor Elisa Teichmann Online Redaktion

Das Leben kann so bitter sein: Mit Fernet-Branca wird es möglicherweise noch einen Tick bitterer – oder bittersüßer? Wir können uns nicht entscheiden, ob uns die neue Kampagne des beliebten Schnäpperkens vor Begeisterung umhaut oder uns eher den Kopf zum beschämten Facepalm senken lässt: Voilà, zwei verschiedene MYND-Mitarbeiter, zwei verschiedene Meinungen.

YAY!

Mitarbeiterfoto: Kim Pintaric

Kim

Ich versetze mich in die Lage eines Werbefuzzis. In Zeiten von Craft Beer, Moscow Mule und Vodka Mate musst du ein Getränk vermarkten, dass wie Medizin schmeckt. Richtig bitter. Wie Magenbitter. Ein Getränk bei dem man das Gesicht verzieht. Das nebenbei die Verdauung fördert. Auf Anhieb nicht gerade hip! Egal, denkt sich Fernet-Branca. Ja, das Leben ist auch manchmal bitter, so wie unser Getränk. Aber verdammt noch mal, kneif die Arschbacken zusammen, hör ein bisschen Gangsta Rap und handle that shit. Nimm es mit Humor und Ironie. Klar ist das eine kontroverse Kampagne, die Grenzen überschreitet. Aber so bleibt es halt im Kopf. Weil man sich Gedanken drüber macht und denkt: Tzihihi das ist aber fies.

Und schon haben sie geschafft, was zielführende Werbekampagnen schaffen sollen, die Botschaft soll in Kombination mit dem Produkt im Kopf bleiben. Der USP wurde in etwas Witziges, Sarkastisches und vielleicht auch Erheiterndes umgemodelt. Macht mehr Witze über Themen, die vielleicht einen negativen Beigeschmack haben! Die Methode ist Satirikern und Karikaturisten schon seit langem bekannt. Oder um es mit den Worten von Fernet-Branca zu sagen:

„Welcher Drink passt zu einer Woche in der du zwei Deadlines verpeilt, gegen den Kopierer getreten und die Sonne nur durch eine dicke Scheibe gesehen hast? Ein süßer Cocktail mit Schirmchen vielleicht? Das Leben ist kein Cocktail – und ein Schirmchen hat es erst recht nicht. Das Leben ist bitter. Und in dieser Erkenntnis liegt die Chance, auch die Bitterkeit schätzen zu lernen.“

WORD!

Werbung: Plakat von Fernet Branca mit dem Schriftzug: Du guckst gern gute Krimis. Heute kommt Tatort.
Werbung: Plakat von Fernet Branca mit dem Schriftzug: Du hast es gern ruhig - du wohnst im Bahnhofsviertel

NAY!

Mitarbeiterfoto: Elisa Teichmann

Elisa

Ich sitze im Bus zur Uni, schaue nichtsahnend aus dem Fenster und lese: „Du könntest verdammt gut aussehen, wenn Deine Mutter einen besseren Männergeschmack gehabt hätte“. Die Gedanken rasen in meinem Kopf. Mein Papa. Mitte Zwanzig. Keanu Reeves, sagt Mama. Okay. Find ich jetzt nicht schlecht. Aber plötzlich: Meine militanten Feministen-Kommilitonen, die sind da auch in meinem Kopf und keifen: „Was soll das denn bitte heißen, die Mutter hat wohl überhaupt keine Auswirkungen auf den Phänotyp des Kindes oder was?!“ In meinem Kopf spielt sich also wieder einmal eine auswegslose Grundsatzdiskussion ab, in der weder ich, noch ein Verantwortlicher der Fernet-Branca-Kampagne jemals eine Chance hätte, nicht heruntergebulldozert zu werden – von Leuten, die sich entweder beleidigt fühlen oder sich im vorauseilenden Gehorsam schon mal für andere vorbeleidigt fühlen. Sexistisch, beleidigend, skrupellos. Diesen Eindruck macht die Kampagne nach diesem Beispiel und das will sie vielleicht gar nicht unbedingt sein. Eher ohne Rücksicht auf Verluste, politisch inkorrekt, irgendwie modern eben.

Werbung: Plakat von Fernet Branca mit Bezug zum Männergeschmack deiner Mutter

Ich weiß noch nicht, ob ich das gut finden soll. Auch noch nicht, als ich meinem französischen Freund übersetze: „Frankfurt hat den größten Flughafen Deutschlands. Und du bist noch hier“ – resigniert grinsend, an meinem Geburtstag, an einem verregneten Vormittag am Frankfurter Südbahnhof. Super! Darauf erstmal nen Fernet-Branca. Irgendwie haben sie ja recht.

Natürlich sind nicht alle frechen Sprüche des Italo-Argentinischen Magenbitters so kontrovers wie mein allererster Eindruck der Kampagne. Über manche kann ich ja vielleicht sogar schmunzeln. Andere sind aber einfach nur platt oder im ganz klassischen „Ba-dumm-tzz“-Humor angelegt. Also, liebe Fernet-Branca-Marketing-Leute, ich weiß, dass euch meine militanten FeministINNEN-KommilitonINNEN sicherlich herzlich egal sind und ich finde das klasse, weil mich diese ganze Überkorrektheit genauso nervt, ABER: Es gibt, bei aller Liebe zu Mut und Kontrabewegung, einen Unterschied zwischen fies und bitter. Vielleicht das nächste Mal etwas weniger Oli Pocher, dafür mehr Helge Schneider oder so. Dann kommen die Witze auch noch besser an.

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